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29.11.2013

EU-Kommission kündigt für Dezember Qualitätsrahmen für Praktika an

Brüssel, 29.11.2013. Die EU-Kommission hat in dieser Woche eine Eurobarometerumfrage veröffentlicht, welche die Qualität und Standards von Praktika in der EU bewertet. Laut Umfrageergebnis sind Mängel bei Arbeitsbedingungen und Lerninhalten von Praktika festgestellt worden. Die EU-Kommission sieht in diesen Ergebnissen weitere gute Gründe für den geplanten Qualitätsrahmen für Praktika.

Die Eurobarometer-Umfrage wurde im Mai 2013 in allen EU-Mitgliedstaaten sowie Kroatien durchgeführt. Ziel war es, ausreichend Daten zu Qualitätsproblemen bei Praktika zu sammeln. Insgesamt wurden 12.921 Menschen in der Altersgruppe 18 bis 35 zu ihrer persönlichen Praktikumserfahrung befragt.

Die Ergebnisse der Befragung im Detail:

  • 46 Prozent der Befragten gaben EU-weit an, bereits ein Praktikum absolviert zu haben, in Deutschland hatten 74 Prozent ein Praktikum absolviert, 52 Prozent eine Ausbildung, 25 Prozent einen Studentenjob, nur 6 Prozent gaben an, keine Arbeitserfahrungen auf diese Weise gesammelt zu haben (EU-Durchschnitt: 32 Prozent). 29 Prozent der befragten Deutschen hatten mehr als drei Praktika gemacht, der EU-Durchschnitt liegt hier bei 22 Prozent.

  • Fast sechs von zehn Praktikanten (59 %) erhielten während ihres letzten Praktikums kein finanzielles Entgelt. Von denjenigen, die entlohnt wurden, sind weniger als die Hälfte der Meinung, dass das Geld zur Deckung der Grundlebenshaltungskosten ausreichte. Geld für das letzte geleistete Praktikum erhielten in Deutschland 38 Prozent (EU-Durchschnitt: 40 Prozent), 62 Prozent der Befragten Deutschen absolvierten ein unbezahltes Praktikum (EU-Durchschnitt: 59 Prozent).

  • Europaweit hatten vier von zehn Praktikanten keine schriftliche Vereinbarung bzw. keinen schriftlichen Vertrag über das Praktikum mit der Gasteinrichtung oder dem Unternehmen unterzeichnet. Nahezu jedes dritte Praktikum (30 %) in der EU entspricht in Bezug auf Lerninhalt oder Arbeitsbedingungen nicht dem Standard. Fast 25 % der Befragten berichten, ihre Arbeitsbedingungen seien anders gewesen als die der regulär Beschäftigten, 20 % sind der Ansicht, im Praktikum nichts beruflich Nützliches gelernt zu haben.

  • Praktika im Ausland sind nach wie vor selten: nur rund 10 % werden in einem anderen Land absolviert.

  • Eine Analyse auf Basis der Eurobarometer-Umfrage ergab laut EU-Kommission einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Qualität eines Praktikums und den späteren Beschäftigungsaussichten. Anders gesagt, jene, die ein minderwertiges Praktikum absolviert hatten, hatten deutlich schlechtere Chancen, danach einen Arbeitsplatz zu finden.

Zu den Ergebnissen der Eurobarometer-Umfrage: hier

Der im Jugendbeschäftigungspaket für Dezember 2013 angekündigte Qualitätsrahmen für Praktika wird laut EU-Kommission die Kriterien Praktikumsvertrag, Festlegung von berufsbezogenen Lernzielen, angemessene Dauer, Anerkennung und angemessene Absicherung und Bezahlung berücksichtigen. Ziel ist die Einführung eines europaweiten Standards der die Qualität der Praktika verbessert.

Damit soll die Durchführung der Empfehlung des Rates zur Einführung einer Jugendgarantie unterstützt werden, in der die Mitgliedstaaten aufgefordert werden sicherzustellen, dass „allen jungen Menschen unter 25 Jahren binnen vier Monaten, nachdem sie arbeitslos werden oder die Schule verlassen, eine hochwertige Arbeitsstelle oder Weiterbildungsmaßnahme oder ein hochwertiger Ausbildungs- bzw. Praktikumsplatz angeboten wird“.

Der Vorschlag der Kommission bezieht sich ausschließlich auf freiwillige Praktika. Nicht abgedeckt durch den Qualitätsrahmen sind Praktika, die Teil einer Fortbildungsmaßnahme sind oder für den Zugang zu bestimmten Berufen bzw. im Rahmen einer Schul- oder Studienordnung vorgeschrieben sind.

Der Vorschlag zum Qualitätsrahmen soll am 4. Dezember 2013 erscheinen. Der CEEP wird den Vorschlag im CEEP Social Affairs Board und in der Task Force Education and Training besprechen.

Update 4.12.13: Pressemitteilung der EU-Kom vom 4.12.13 zur Veröffentlichung des Qualitätsrahmens: LINK

Konkret werden die EU-Mitgliedstaaten dazu aufgefordert sicherzustellen, dass Praktika auf einer schriftlichen Praktikumsvereinbarung basieren, welche u.a. folgende Aspekte umfasst: Lerninhalte und -ziele, Rechte und Pflichten des Praktikanten und Praktikumsgebers, Betreuung durch einen Vorgesetzten, Dauer des Praktikums, Arbeitszeiten sowie Angabe, ob und ggf. in welcher Höhe die Praktikantinnen und Praktikanten eine Bezahlung / Aufwandsentschädigung erhalten und ob sie sozialversichert sind. Die Angaben zur Bezahlung / Aufwandsentschädigung sowie zur Sozialversicherung sollen ebenfalls bereits in der Stellenausschreibung enthalten sein.

Die Dauer von Praktika soll in der Regel auf sechs Monate begrenzt werden, wobei in begründeten Ausnahmefällen auch eine längere Dauer vorgesehen werden kann. Anbieter von Praktika sollen dazu ermutigt werden, im Anschluss an das Praktikum ein qualifiziertes Zeugnis auszustellen.

Um die innereuropäische Mobilität von Praktikanten zu erleichtern, sollen klare Regelungen für die Aufnahme bzw. Entsendung von Praktikanten in andere Mitgliedstaaten in die nationalen Rechtsrahmen aufgenommen werden. Zur Steigerung der Anzahl und Qualität von Praktika sollen zudem finanzielle Mittel aus dem ESF und dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung sowie aus der Jugendbeschäftigungsinitiative bereitgestellt werden. Bei der Umsetzung dieser Maßnahmen sollen die Sozialpartner eingebunden werden.

Quelle: Pressemitteilung vom 26.11.2013: „Praktika: Umfrage macht Mängel bei Arbeitsbedingungen und Lerninhalten deutlich“