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19.08.2013

EU-Bericht: Kommunale Abwassersammlung und -behandlung in Europa verbessert

Brüssel, 19.08.2013. Die Europäische Kommission hat im August einen Bericht zur kommunalen Abwassersammlung und -behandlung in Europa für den Zeitraum 2009 bis 2010 veröffentlicht und u.a. die Erfüllung der EU-Mindeststandards in den Mitgliedstaaten überprüft.

Laut EU-Kommission gibt es zwischen den Mitgliedstaaten wie in den Jahren zuvor große Unterschiede, jedoch lassen die neuesten Zahlen zur Abwasserbehandlung in Europa “Verbesserungen bei der Sammlung und Behandlung erkennen“. Spitzenreiter bei der Erfüllung der EU-Mindeststandards für die Abwasserbehandlung sind Österreich, Deutschland und die Niederlande.

Der Bericht zeigt, dass der überwiegende Teil (91 %) der Schmutzfracht aus den großen Städten in der EU eine weitergehende Behandlung erfährt, was gegenüber der im vorangegangenen Bericht beschriebenen Quote von nur 77 % eine erhebliche Verbesserung darstellt, so die EU-Kommission.

Bessere Abwasserbehandlung und weniger Ableitungen von unbehandelten Abwässern in die Umwelt haben außerdem zu einer Verbesserung der Qualität der Badegewässer geführt. Zum Vergleich: In den frühen 1990er Jahren wiesen nur etwa 60 % der Badestellen eine ausgezeichnete Wasserqualität auf, während die Zahl heute bei 78 % liegt.

Gemäß der Richtlinie über die Behandlung von kommunalem Abwasser aus dem Jahr 1991 müssen Gemeinden (Klein- und Großstädte, Siedlungen) in den EU-Mitgliedstaaten zur ordnungsmäßen Sammlung über Kanalisationen für kommunales Abwasser verfügen und sicherstellen, dass das in diese Sammelsysteme eingeleitete Wasser eine angemessene biologische „Zweitbehandlung“ zur Entfernung von Schadstoffen erfährt. Abwasser, das in empfindliche Gebiete (z. B. Badestellen oder Trinkwasserspeicher) gelangt, muss einer zusätzlichen weitergehenden Behandlung unterzogen werden. In Deutschland werden nahezu alle Abwässer in einer dritten Reinigungsstufe behandelt.

Fortschritte in den neueren Mitgliedstaaten bei der Sammlung und Behandlung des Abwassers führt die Kommission auf die „massive Investitionsförderung durch die EU“ zurück. Allein im Zeitraum 2007-2013 flossen aus dem Kohäsionsfond und dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung Investitionen im Abwasserbereich in Höhe von 14,3 Mrd. Euro.

EU-Umweltkommissar Janez Potočnik erklärte bei der Präsentation des Berichtes: „Ich sehe mit Erleichterung, dass die Trends in die richtige Richtung gehen, und freue mich, dass sich die Tätigkeit der Kommission, d. h. finanzielle Unterstützung, kombiniert ‑  wenn es sein muss ‑ mit energischen rechtlichen Schritte, für die Bürgerinnen und Bürger Europas auszahlt.“

Die wichtigsten Ergebnisse des Berichtes sind:

  • Die Sammelquoten lagen sehr hoch. 15 Mitgliedstaaten sammeln 100 % ihrer gesamten Schmutzfracht. Alle Mitgliedstaaten haben das vorherige Niveau gehalten oder verbessert, auch wenn die Einhaltungsquoten in Bulgarien, Zypern, Estland, Lettland und Slowenien weiterhin unter 30 % lagen.

  • Die Einhaltungsquoten bei der Zweitbehandlung betrugen 82 %, was gegenüber dem vorherigen Bericht eine Verbesserung um vier Prozentpunkte bedeutet. Allerdings gab es enorme Unterschiede zwischen den EU-15-Ländern (Einhaltungsquoten im Bereich von 90-100 %) und den EU-12-Ländern (durchschnittlich 39 %).

  • Die Einhaltungsquoten bei der weitergehenden Behandlung zur Bekämpfung der Eutrophierung oder zur Verringerung der bakteriologischen Verunreinigung lagen insgesamt bei 77 %. Die EU-12-Mitgliedstaaten erreichten im Schnitt nur 14%, während Österreich, Deutschland, Griechenland und Finnland bei 100 % lagen.

  • Der als „empfindlich“ eingestufte Anteil des EU-Gebiets hat seit dem vorherigen Bericht um zwei Prozentpunkte zugenommen und beinahe 75 % erreicht. Die stärksten Zuwächse gab es in Frankreich und Griechenland.

  • In einem Anhang des Berichts, in dem die Situation in 27 europäischen Hauptstädten verglichen wird, wird warnend darauf hingewiesen, dass von diesen Städten lediglich elf (darunter Berlin) über ein angemessenes Kanalisations- und Behandlungssystem verfügten, und dies, obwohl die Standards bereits vor mehr als 20 Jahren festgelegt wurden.

Quelle: PM IP/13/768 der EU-Kommission vom 07.08.13: "Umweltpolitik: Trends bei kommunalem Abwasser gehen in die richtige Richtung"