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28.02.2013

EU-Arbeitsminister stimmen Jugendgarantie für Beschäftigung zu - EU-Sozialpartner wollen Rahmenvereinbarung vorlegen

Brüssel, 28.02.2013. Die Arbeitsminister der EU-Länder haben heute im Rat "Beschäftigung, Sozialpolitik, Gesundheit und Verbraucherschutz" die von der Europäischen Kommission vorgeschlagene Jugendgarantie angenommen. Arbeitslose Jugendliche in der EU sollen künftig schneller für Arbeits-, Ausbildungs- oder Praktikumsplätze vermittelt werden.

Ziel der EU-Kommission ist es, dass jeder EU-Bürger unter 25 Jahren innerhalb von vier Monaten nach Abschluss einer formellen Ausbildung oder bei Arbeitslosigkeit ein Angebot für eine neue Stelle, eine Weiterbildung oder einen Ausbildungsplatz erhält.

Finanziert werden sollen die Maßnahmen der Jugendgarantie durch den Europäischen Sozialfonds.
 
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und László Andor, Kommissar für Beschäftigung und Soziales riefen daher die Mitgliedstaaten auf, den Beschluss so schnell wie möglich umzusetzen.

"Zu viele junge Europäer fragen sich, ob sie jemals einen Job finden oder die selbe Lebensqualität wie ihre Eltern haben werden. Sie erwarten Antworten von uns. Daher hat die Europäische Kommission in den vergangenen zwei Jahren den Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit an die Spitze der politischen Tagesordnung in Europa gesetzt. Sechs Milliarden Euro sind für die Initiative Jugendbeschäftigung eingeplant, um jungen Arbeitslosen zu helfen. Mit der Jugendgarantie  haben junge Menschen eine echte Chance für eine bessere Zukunft“, so Barroso heute.

Zurzeit ist einer von vier Jugendlichen in Europa ist arbeitslos. In der gesamten EU liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei 21 Prozent  und damit etwa doppelt so hoch wie die Arbeitslosenrate der über 25 Jährigen. In Krisenländern wie Griechenland und Spanien ist sogar mehr als jeder zweite Jugendliche ohne Job. In Portugal und Italien ist fast jeder Vierte betroffen. Deutschland hatte Ende des vergangenen Jahres nach EU-Angaben mit acht Prozent die niedrigste Arbeitslosenquote bei jungen Menschen.

Europäische Sozialpartner verhandeln über Rahmenvereinbarung für Jugendbeschäftigung

Bereits vor dem im Dezember 2012 veröffentlichten Maßnahmenpaket der EU-Kommission zur Jugendbeschäftigung, haben die branchenübergreifenden Europäischen Sozialpartner in ihrem Arbeitsprogramm der Beschäftigung von jungen Leuten und deren Übergang in den Arbeitsmarkt höchste Priorität beigemessen und Verhandlungen für einen „Aktionsrahmen für die Beschäftigung von jungen Menschen“ („Framework of Actions on youth employment“) aufgenommen.

„Wir werden uns auf die Phase des Übergangs junger Menschen in den Arbeitsmarkt konzentrieren, wobei deren Erwartungen und die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes mit dem allgemeinen Ziel einer Erhöhung der Arbeitsquote zusammengebracht werden müssen“, so die Sozialpartner CEEP, BUSINESSEUROPE/UEAPME und ETUC in einer gemeinsamen Erklärung.

Die nationalen Sozialpartner der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite sind nach Abschluss der Verhandlungen aufgerufen, die Maßnahmen und Beschlüsse der Europäischen Sozialpartner in den nächsten Jahren umzusetzen.

Ein erster Entwurf für eine Rahmenvereinbarung liegt bereits vor, konkrete Ergebnisse werden voraussichtlich auf dem EU-Sozialgipfel im März 2013 präsentiert werden können.

Insgesamt gibt es innerhalb der EU-Sozialdialog-Ebene bereits vier von den Sozialpartnern abgeschlossene Rahmenvereinbarungen: für die Bereiche Telearbeit, arbeitsbedingten Stress, Gewalt und Belästigung am Arbeitsplatz sowie integrative Arbeitsmärkte. Die Inhalte einer Rahmenvereinbarung werden entweder durch EU-Rechtsvorschriften oder durch Maßnahmen der nationalen Mitglieder der EU-Sozialpartner entsprechend den Gepflogenheiten und Verfahren der einzelnen Mitgliedstaaten umgesetzt.

Die Europäischen Sozialpartner CEEP und EGB, der Europäische Verband der öffentlichen Arbeitgeber und Unternehmen und der Europäische Gewerkschaftsbund, haben darüber hinaus Mitte 2012 das gemeinsame Projekt „Fostering Youth Employment in Public Services" gestartet, um auf Aspekte der Beschäftigung von Jugendlichen bei Erbringern öffentlicher Dienstleistungen mit konkreten Lösungsansätze einzugehen: "Jugendbeschäftigung im Fokus europäischer Projektarbeit der öffentlichen Dienstleister". Hier werden die Ergebnisse in einer Abschlusskonferenz am 24. April 2013 in Brüssel vorgestellt. Die deutsche Sektion des CEEP wird durch Mitgliedsunternehmen vertreten sein.

duales Berufsausbildungssystem als Stärke des deutschsprachigen Arbeitsmarktes

Die Situation auf dem deutschen Arbeitsmarkt ist für junge Menschen europaweit am sichersten: Nach Auswertungen der Statistikbehörde Eurostat sind in keinem anderen EU-Land weniger junge Menschen ohne Job als hierzulande. Laut Statistischem Bundesamt waren im Juni 2012 in Deutschland 350.000 Menschen zwischen 15 und 24 Jahren arbeitslos, das sind 7,9% der Altersgruppe. In Österreich lag die Erwerbslosigkeit unter jungen Menschen 2012 bei 8,8%.

Als einer der Gründe für diese positiven Zahlen wird das im deutschsprachigen Raum verbreitete System der dualen Ausbildung genannt. Bereits Mitte 2012 hatte die EU-Kommission die berufliche Erstausbildung nach dem dualen System, das es in Deutschland und einigen anderen EU-Staaten gibt, als beispielhaft für einen Übergang in ein Beschäftigungsverhältnis angeführt. zur damaligen Pressemitteilung der EU-Kommission>>

Das duale Berufsausbildungssystem beinhaltet die parallele Ausbildung in Betrieb und Berufsschule bzw. im tertiären Bereich an der Berufsakademie. Voraussetzung für eine Berufsausbildung im dualen System ist in Deutschland ein Berufsausbildungsvertrag mit einem Betrieb. Die zu besuchende Berufsschule ist abhängig vom Ort bzw. von der regionalen Zugehörigkeit des Betriebes. Der praktische Teil der Ausbildung wird den Auszubildenden in den Betrieben vermittelt, den theoretischen Teil übernimmt die Berufsschule. Bei Besuch einer berufsbildenden Schule (Schule mit Berufsabschluss) ist die duale Ausbildung durch den allgemeinbildend/theoretischen Unterricht und den praktischen Werkstattunterricht sichergestellt.

Die öffentlichen Arbeitgeber wenden das duale Ausbildungssystem flächendeckend an und bilden oftmals über ihren Eigenbedarf hinaus aus. Zudem verzeichnen öffentliche Unternehmen eine hohe Übernahmequote der Auszubildenden in ein festes Arbeitsverhältnis.

Der öffentliche Dienst ist mit 4,5 Mio. Beschäftigten der größte Arbeitgeber und Ausbilder in Deutschland. Rund 87.000 junge Menschen entscheiden sich jedes Jahr für eine Ausbildung im öffentlichen Dienst. Allein auf der Ebene der Kommunen sind  aktuell  rund zwei Millionen Beschäftigte in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, Sparkassen, Ver- und Entsorgungsbetrieben sowie Nahverkehrsunternehmen und Flughäfen sowie in der Verwaltung tätig.

Quellen: