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16.07.2013

Eurostat zur korrekten statistischen Erfassung der Jugendarbeitslosigkeit in Europa

Luxemburg, 16.07.2013. Wie das Problem der Jugendarbeitslosigkeit in Europa korrekt erfasst werden muss, hat Eurostat kürzlich in einer Erläuterung seiner statistischen Methoden dargestellt. Eurostat ist das statistische Amt der Europäischen Union mit Sitz in Luxemburg. Es hat den Auftrag, die Union mit europäischen Statistiken zu versorgen, die Vergleiche zwischen Ländern und Regionen ermöglichen.

Eurostat veröffentlichte letzten Freitag zwei neue "Statistics Explained" Artikel über Jugendarbeitslosigkeit und die Teilnahme von Jugendlichen an Ausbildung und am Arbeitsmarkt. Die Artikel sollen die Konzepte und Definitionen, welche zur umfassenden Beschreibung der Struktur der jugendlichen Bevölkerung verwendet werden, erläutern.

Eurostat benutzt für die statistische Aufarbeitung der Jugendarbeitslosigkeit zwei Indikatoren, die Jugendarbeitslosenquote und den Jugendarbeitslosenanteil.

Die von Eurostat monatlich veröffentlichte Arbeitslosenquote misst die Zahl der Arbeitslosen in Prozent der Erwerbspersonen. Zu den Erwerbspersonen wiederum zählen alle Erwerbstätigen plus die Arbeitslosen. So gab es im Jahr 2010 in der EU-28 unter den 15- bis 24-Jährigen 18,8 Mio. Erwerbstätige und 5,6 Mio. Arbeitslose, was 24,4 Mio. Erwerbspersonen und eine Jugendarbeitslosenquote von 23,0 Prozent ergibt.

Die Gesamtbevölkerung in dieser Altersklasse beträgt 57,5 Mio., da zu den 24,4 Mio. Erwerbspersonen 33,0 Mio. Nichterwerbspersonen hinzukommen. Deren Zahl ist unter Jugendlichen besonders hoch, weil sich viele noch in der Ausbildung befinden.

Der Jugendarbeitslosenanteil drückt die Zahl der Arbeitslosen in der Altersklasse 15 bis 24 Jahren in Prozent der Gesamtbevölkerung (57,5 Mio.) aus: Bei 5,6 Mio. jobsuchenden Jugendlichen ist dies ein Jugendarbeitslosenanteil von 9,7 Prozent.

Die Aussage „Fast jeder vierte Jugendliche in der EU ohne Arbeit“ sei also falsch, so Eurostat vergangenen Freitag. „Da bei weitem nicht jeder Jugendliche Teil der Erwerbsbevölkerung ist, gibt die Jugendarbeitslosenquote nicht an, wie viel Prozent aller Jugendlichen arbeitslos sind. Die Jugendarbeitslosenquoten werden häufig in diesem Sinne missverstanden“, erläutert die europäische Statistikbehörde Eurostat.

Der Unterschied zwischen der Jugendarbeitslosenquote und dem Jugendarbeitslosenanteil sei auf die Zahl der Jugendlichen zurückzuführen, die nicht als Erwerbspersonen gelten, weil sie noch in der Ausbildung sind, erklärt Eurostat.

Einen Lehrling oder einen Studenten mit einem Nebenjob zählt Eurostat zu den Erwerbstätigen (2012 stellten solche Gruppen 6,7 Mio. der insgesamt 18,8 Mio. jungen Erwerbstätigen). Entsprechend gilt ein Student, der für eine Arbeit verfügbar wäre und aktiv danach sucht, als Arbeitsloser. Ein Student, der keinen Nebenjob hat und auch keinen sucht, gilt als Nichterwerbsperson.

Quelle: EurostatDie unterschiedlichen Werte der beiden Indikatoren werden auch in den EU-Mitgliedsstaaten deutlich:

Deutschland hatte 2012 nach beiden Messmethoden die EU-weit tiefste Jugendarbeitslosigkeit (8,1 Prozent bzw. 4,1 Prozent). Die höchsten Jugendarbeitslosenquoten sowie auch die höchsten Jugendarbeitslosenanteile gibt es in Griechenland (55,3 Prozent bzw. 16,1 Prozent) und Spanien (53,2 Prozent bzw. 20,6 Prozent).

Der Arbeitslosenanteil entspricht bei Jugendlichen laut Eurostat typischerweise weniger als der Hälfte der Arbeitslosenquote. Das Verhältnis sei aber nicht konstant. In manchen Staaten, darunter etwa Griechenland und Italien, war die Jugendarbeitslosenquote 2012 mehr als dreimal so hoch wie der Arbeitslosenanteil. In anderen Ländern, wie beispielsweise Österreich und die Niederlande, sei der Unterschied viel geringer, erklärte Eurostat.

Quelle: Pressemitteilung 107/2013 Eurostat vom 12.07.2013: „Messung der Jugendarbeitslosigkeit – wichtige Konzepte im Überblick“ (pdf)

weitere Quellen zum Thema: