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06.12.2012

Europäische Sozialpartner verhandeln über Aktionsrahmen für Jugendbeschäftigung

Brüssel, 06.12.12. Bereits vor dem gestern veröffentlichten Maßnahmenpaket der EU-Kommission zur Jugendbeschäftigung, haben die branchenübergreifenden Europäischen Sozialpartner in ihrem Arbeitsprogramm der Beschäftigung von jungen Leuten und deren Übergang in den Arbeitsmarkt höchste Priorität beigemessen und kürzlich Verhandlungen für einen „Aktionsrahmen für die Beschäftigung von jungen Menschen“ aufgenommen.

Die Sozialpartner haben sich vorgenommen, die inakzeptable Situation, dass in Europa mehr als 22% der jungen Menschen arbeitslos sind, dringend zu beheben. „Wir werden uns auf die Phase des Übergangs junger Menschen in den Arbeitsmarkt konzentrieren, wobei deren Erwartungen und die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes mit dem allgemeinen Ziel einer Erhöhung der Arbeitsquote zusammengebracht werden müssen“, so die Sozialpartner. 

Deshalb wurden Verhandlungen für einen „Aktionsrahmen für die Beschäftigung von jungen Menschen“ („Framework of Actions on youth employment“) aufgenommen.

Eine erste Verhandlungsrunde zwischen CEEP, BUSINESSEUROPE/UEAPME und ETUC fand am 18. September 2012 in Brüssel statt. Es bestand Übereinstimmung darin, dass im Bereich Jugendbeschäftigung sowohl kurz- als auch mittel- und langfristiges Handeln notwendig sei. Die Vertreterinnen und Vertreter aus Arbeitgebern und Gewerkschaften vereinbarten nach eingehender Beratung vier Prioritäten, die den Aktionsrahmen abdecken sollen:

1. Lernen von jungen Menschen

2. Übergang zwischen Ausbildung und Beruf

3. Beschäftigung

4. junges Unternehmertum

Die Europäischen Sozialpartner trafen sich zudem am 7. und 8. November 2012 in Brüssel zu einem praxisorientierten Fact-Finding-Seminar. Dessen Ziel war es nationale Arbeitsmarktpraktiken und Fallstudien zum Thema Jugendbeschäftigung im Zusammenhang mit den oben genannten vier Prioritäten zu identifizieren.

Dazu wurden aus verschiedenen Sektoren der öffentlichen und privaten Wirtschaft Praxisbeispiele zur Unterstützung junger Menschen für den Übergang  in den Arbeitsmarkt vorgestellt.

CEEP präsentierte zwei Praxisbeispiele: Die duale Berufsausbildung der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG (BOGESTRA) und eine neue Art von Arbeitsverträgen in Schweden, die SALAR (Swedish Association of Local Authorities and Regions) vorstellte.

Das duale Berufsausbildungssystem im deutschsprachigen Raum wird als einer der Gründe für die im europäischen Vergleich guten Beschäftigtenzahlen bei jungen Menschen in Deutschland und Österreich angeführt. Nach Auswertungen der Statistikbehörde Eurostat sind in keinem anderen EU-Land weniger junge Menschen ohne Job als hierzulande. Laut Statistischem Bundesamt waren im Juni 2012 in Deutschland 350.000 Menschen zwischen 15 und 24 Jahren arbeitslos, das sind 7,9% der Altersgruppe. In Österreich lag die Erwerbslosigkeit unter jungen Menschen bei 8,8%.

Bereits Mitte 2012 hatte die EU-Kommission die berufliche Erstausbildung nach dem dualen System als beispielhaft für einen Übergang in ein Beschäftigungsverhältnis genannt: zur damaligen Pressemitteilung der EU-Kommission >

Das duale Berufsausbildungssystem beinhaltet die parallele Ausbildung in Betrieb und Berufsschule bzw. im tertiären Bereich an der Berufsakademie. Voraussetzung für eine Berufsausbildung im dualen System ist in Deutschland ein Berufsausbildungsvertrag mit einem Betrieb. Die zu besuchende Berufsschule ist abhängig vom Ort bzw. von der regionalen Zugehörigkeit des Betriebes. Der praktische Teil der Ausbildung wird den Auszubildenden in den Betrieben vermittelt, den theoretischen Teil übernimmt die Berufsschule. Bei Besuch einer berufsbildenden Schule (Schule mit Berufsabschluss) ist die duale Ausbildung durch den allgemeinbildend/theoretischen Unterricht und den praktischen Werkstattunterricht sichergestellt.

Die öffentlichen Arbeitgeber, wie beispielsweise die BOGESTRA, wenden das duale Ausbildungssystem flächendeckend an und bilden oftmals über ihren Eigenbedarf hinaus aus. Zudem verzeichnen öffentliche Unternehmen eine hohe Übernahmequote der Auszubildenden in ein festes Arbeitsverhältnis.

Laut der EU-Agentur Eurofound sind zurzeit rund 5,5 Mio. junge Menschen in Europa (mehr als jeder Fünfte) ohne Stelle. Insgesamt haben 7,5 Mio. junge Europäer im Alter von 15 bis 24 Jahren weder einen Arbeits- noch einen Ausbildungsplatz. Die Jugendarbeitslosigkeit hat in 13 EU-Mitgliedstaaten eine Quote von über 25% erreicht, in Griechenland und Spanien liegt sie sogar bei über 55% und in Italien, Portugal, Irland, Bulgarien, Zypern, Lettland, Ungarn und der Slowakei bei oder über 30%. Mindestens 30% der Arbeitslosen im Alter bis 25 Jahren sind schon seit mehr als 12 Monaten arbeitslos – im Jahr 2011 waren es 1,6 Mio. gegenüber 0,9 Mio. im Jahr 2008.

Die letzte Verhandlungsrunde der Sozialpartner zum Aktionsrahmen fand am 20. November 2012 statt, eine weitere Verhandlungsrunde ist für den 11. Dezember 2012 geplant, mit dem Ziel eine Einigung bis Ende Januar 2013 zu erreichen.

Die nationalen Sozialpartner der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite sind nach Abschluss der Verhandlungen aufgerufen, die Maßnahmen und Beschlüsse der Europäischen Sozialpartner in den nächsten Jahren umzusetzen.

Die Europäischen Sozialpartner CEEP und EGB, der Europäische Verband der öffentlichen Arbeitgeber und Unternehmen und der Europäische Gewerkschaftsbund, haben darüber hinaus Mitte 2012 das gemeinsame Projekt „Fostering Youth Employment in Public Services" gestartet, um auf Aspekte der Beschäftigung von Jugendlichen bei Erbringern öffentlicher Dienstleistungen mit konkreten Lösungsansätze einzugehen: "Jugendbeschäftigung im Fokus europäischer Projektarbeit der öffentlichen Dienstleister"