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08.08.2012

EU-Kommission fordert freien Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen

Brüssel, 08.08.2012. Bereits im Juli dieses Jahres kündigte die britische Regierung an, bis 2014 das wissenschaftliche Publikationssystem vollständig auf  Open Access umzustellen. Bereits einen Tag später folgte die EU-Kommission mit der Empfehlung an alle Mitgliedsstaaten ihre nationalen Förderprogramme anzupassen, dass bis 2016 dass 60 Prozent aller wissenschaftlichen Publikationen mittels Open Access publiziert werden.

Als Open Access (dt. „offener Zugang“), wird der freie Zugang zu wissenschaftlicher Literatur und anderen Materialien im Internet bezeichnet. Ein unter Open-Access-Bedingungen publiziertes wissenschaftliches Dokument gibt jedem die Erlaubnis, dieses Dokument zu lesen, herunterzuladen, zu speichern, es zu verlinken, zu drucken und damit entgeltfrei zu nutzen.

So verabschiedete die EU-Kommission im Juli eine Mitteilung, in der ein weitreichender strategischer Rahmen für die „Verbesserung des Zugangs zu wissenschaftlichen Informationen und deren Bewahrung“ beschrieben wird.

Die EU-Kommission argumentiert darin, dass ein umfassenderer und rascherer Zugang zu wissenschaftlichen Artikeln und Daten es Forscher und Unternehmen leichter mache, die Ergebnisse öffentlich geförderter Forschung zu nutzen und dadurch die die Innovationskapazität und Wettbewerbsfähigkeit der EU gestärkt werde.

Sowohl Neelie Kroes („Daten sind das neue Erdöl“), zuständig für die Digitale Agenda und Vizepräsidentin der EU-Kommission, als auch Máire Geoghegan-Quinn, EU-Kommissarin für Forschung und Innovation, forderten zudem, dass die Steuerzahler „mehr für ihr Geld bekommen“ müssten. Nicht zuletzt würden die „jährlichen Forschungsinvestitionen in Höhe von 87 Mrd. EUR auf diese Weise für Europa rentabler“ werden.

Die EU-Kommission greift damit Ergebnisse einer öffentlichen Konsultation aus dem Jahr 2011 auf, in der 84 % der Teilnehmer den Zugang zu wissenschaftlicher Literatur als nicht optimal bezeichneten. Eine EU-Studie belege, dass derzeit nur 25 % der Forscher kostenlosen Zugang zu ihren Daten gewähren. Ferner hätten Studien ergeben, „dass kleine und mittlere Unternehmen ohne raschen Zugang zu aktuellen wissenschaftlichen Veröffentlichungen bis zu zwei Jahre länger brauchen, um innovative Produkte auf den Markt zu bringen“.

Die EU-Kommission kündigte daher an, den freien Zugang zu wissenschaftlichen Veröffentlichungen im Forschungs- und Innovationsförderprogramm „Horizont 2020” der EU für den Zeitraum 2014-2020 zu verankern. Dies bedeutet, dass alle Artikel, die mit Hilfe der Förderung durch „Horizont 2020” zustande gekommen sind, zugänglich sein müssen, in dem sie entweder von den Autoren unmittelbar online oder spätestens sechs bis zwölf Monate nach der Veröffentlichung über ein frei zugängliches Archiv zur Verfügung zur Verfügung gestellt werden.

Für Dateninfrastrukturen und Forschung zur digitalen Bewahrung wird sie nach eigenen Angaben dieses und kommendes Jahr 45 Mio. EUR aufwenden.


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Quelle: Pressemitteilung IP/12/790  der EU-Kommission vom 17.07.2012: „Wissenschaftliche Daten: freier Zugang zu Forschungsergebnissen wird Innovationskapazität der EU stärken“