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16.04.2013

EU-Kommission plant mehr Unternehmenstransparenz in Sozial- und Umweltbelangen

Brüssel, 16.04.2013. Die Europäische Kommission hat heute (Dienstag) einen Vorschlag zur Änderung der Rechnungslegungsrichtlinien vorgelegt, der darauf abzielt, die Transparenz von Unternehmen aller Sektoren in sozialen und ökologischen Belangen zu erhöhen.

Die betroffenen Gesellschaften mit mehr als 500 Mitarbeitern sollen demnach künftig ihre Grundsätze, Risiken und Ergebnisse in Bezug auf Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelange, Achtung der Menschenrechte, Bekämpfung von Korruption und Bestechung sowie Vielfalt in den Leitungs- und Kontrollorganen offenlegen müssen. Laut EU-Kommission legen derzeit weniger als 10 % der größten Gesellschaften in der EU regelmäßig entsprechende Informationen offen.

Die Maßnahme war von der Kommission in ihrer Mitteilung zur Binnenmarktakte vom April 2011 (siehe IP/11/469), in der Mitteilung „Eine neue EU-Strategie (2011-14) für die soziale Verantwortung der Unternehmen“ vom Oktober 2011 (siehe IP/11/1238) und im Aktionsplan zu Gesellschaftsrecht und Corporate Governance (siehe IP/12/1340) angekündigt worden.

Die derzeitigen EU-Rechtsvorschriften, insbesondere die Vierte Gesellschaftsrechtrichtlinie über den Jahresabschluss, legen fest, dass Gesellschaften selbst entscheiden können, ob sie bestimmte Informationen über ökologische, soziale und andere Aspekte ihrer Tätigkeit veröffentlichen. Die unterschiedliche Anwendung in den EU- Mitgliedstaaten möchte die EU-Kommission mit dem heutigen Vorschlag nun vereinheitlichen.

Der für Binnenmarkt und Dienstleistungen zuständige Kommissar Michel Barnier führte dazu aus:

„Es geht darum, dass Unternehmen, Anleger und breite Öffentlichkeit zweckdienliche Informationen erhalten – so wie es die Anlegergemeinschaft immer wieder gefordert hat.

Gesellschaften, die schon heute Angaben zu ihren finanziellen und nichtfinanziellen Geschäftsergebnissen veröffentlichen, nehmen bei ihrer Entscheidungsfindung eine längerfristige Sichtweise ein. Sie haben niedrigere Finanzierungskosten, können talentierte Mitarbeiter für sich gewinnen und auch halten und sind letztlich erfolgreicher. Dies ist für die Wettbewerbsfähigkeit Europas und die Schaffung von Arbeitsplätzen von großer Bedeutung. Die besten Praktiken sollten Standard werden.“

Der gewählte Ansatz stelle sicher, dass die Bürokratielasten auf ein Minimum beschränkt werden, so die EU-Kommission. Statt eines richtiggehenden, detaillierten „Nachhaltigkeitsberichts“ würden knappe Informationen zur Verfügung gestellt, die notwendig seien, um sich ein Bild von Entwicklung, Geschäftsergebnissen oder Lage einer Gesellschaft zu machen.

„Sind Angaben über einen bestimmten Bereich für eine Gesellschaft nicht relevant, müsste diese nicht darüber berichten, sondern lediglich angeben, warum dies so ist. Die Offenlegung darf überdies auf Konzernebene erfolgen und muss nicht von den zugehörigen Einzelunternehmen geleistet werden“, wie der Vorschlag weiter ausführt.

Die Gesellschaften können sich dabei auf internationale oder nationale Leitlinien stützen, die sie für geeignet halten (z. B. „Global Compact“ der Vereinten Nationen, ISO-Norm 26000 oder Deutscher Nachhaltigkeitskodex).

Für börsennotierte Gesellschaften soll folgendes gelten: Diese sollen zukünftig im Hinblick auf die Vielfalt in den Leitungs- und Kontrollorganen Angaben zur Diversitätspolitik machen und dabei die Aspekte Alter, Geschlecht, geografische Vielfalt sowie Bildungs- und Berufshintergrund abdecken. Gesellschaften ohne Diversitätspolitik müssten angeben, warum sie darauf verzichten.

Am 6. Februar 2013 nahm das Europäische Parlament zwei Entschließungen an („Entschließung zur sozialen Verantwortung der Unternehmen: Rechenschaftspflichtiges, transparentes und verantwortungsvolles Geschäftsgebaren und nachhaltiges Wachstum“ und „Entschließung zur sozialen Verantwortung der Unternehmen: Förderung der Interessen der Gesellschaft und ein Weg zu einem nachhaltigen und integrativen Wiederaufschwung“), in denen die Bedeutung der Transparenz von Unternehmen in Bezug auf ökologische und soziale Belange anerkannt wurde.

Weitere Informationen: "Offenlegung nicht-finanzieller Informationen"

Quelle: PM der EU-Kom IP/13/330: "Kommission will Unternehmenstransparenz in Sozial- und Umweltbelangen erhöhen