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12.04.2013

Studie zur Entwicklung des Energiemarktes: "Gefahr sozialer Verwerfungen und mehr Verantwortungsübernahme durch Kommunen"

Berlin/Leipzig, 12.04.2013. Das Kompetenzzentrum Öffentliche Wirtschaft, Infrastruktur und Daseinsvorsorge e.V. an der Universität Leipzig und die Berliner Strategieberatung SNPC GmbH haben kürzlich die Ergebnisse einer Delphi‐Studie zur Entwicklung des Energiemarktes in 10 Jahren vorgestellt.

Die Studie kommt u.a. zu folgenden Ergebnissen:

  • „Kommunen mit ihren Stadtwerken leisten einen wichtigen Beitrag zur Gestaltung einer erneuerbaren und dezentralen Energieversorgung vor Ort. Stadtwerke werden auch in Zukunft zusätzliche Netze übernehmen sowie Energieerzeugung betreiben und übernehmen damit Verantwortung für das Gelingen der Energiewende. Allerdings wird die Vorstellung, der Einstieg in Erneuerbare Erzeugung sei ein risikoloses unternehmerisches Engagement, sich zunehmend als Irrtum herausstellen. Technische und Marktrisiken werden aktuell unterschätzt. Die Herausforderungen für kleine unabhängige Stadtwerke werden immer größer. Daher entwickeln sich Zusammenschlüsse und Kooperationen und der Markt wird sich bereinigen. Diese Marktbereinigung kann für Kommunen durchaus schmerzhaft sein. Der Umfang des Engagements von Kommunen wird daher zukünftig stark davon abhängen, ob weiterhin staatlich weitgehend abgesicherte Renditen für die Investitionen erzielt werden können.“

  •  „Die Energiewende kann soziale Verwerfungen schaffen. Wenn nicht gegengesteuert wird, werden die Entwicklungen der Energiewende die Gesellschaft spalten in wohlhabende, die Energiewende aktiv mitgestaltende Bürger und einkommensschwächere Menschen, die unter steigenden Energiepreisen leiden. Das, was heute noch als positive Entwicklung erscheint, das zunehmende Bürgerschaftliche Engagement im Rahmen der Energiewende, z.B. in Form von Bürgergenossenschaften, hat soziale Nebenwirkungen. Wohlhabende Bevölkerungsschichten gehen teilweise zur Selbstversorgung über und klinken sich so aus den Gemeinkosten der Energieversorgung aus. Finanziell schwächere haben diese Möglichkeit nicht und leiden damit unter steigenden Energiepreisen. Sie schultern einen Großteil der finanziellen Last einer funktionierenden Energieversorgung.“

„Die Energiewende ist nicht das Problem, sondern wie sie umgesetzt wird“, so Robert Krock, Geschäftsführer der SNPC GmbH. „In der kapitalintensiven Energiewirtschaft ist eine sichere Einschätzung der Zukunft eine wichtige Voraussetzung für Investitionen.“ Eine langfristige, sichere Energiepolitik und die richtige Einschätzung realistischer Entwicklungsszenarien zum Energiemarkt entscheiden über das Gelingen der Energiewende.

„In Zukunft wird der Schwerpunkt nicht zuletzt auf Fragen der Verfügbarkeit von Energie, der Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit liegen. Damit verändern sich sowohl die Rahmenbedingungen für Verbraucher als auch die Ausgangslagen für bestehende und neue Investitionen der Industrie dynamisch“, so Dr. Oliver Rottmann, geschäftsführender Vorstand des Zentrums.

Hintergrund der Studie:

Der Energiemarkt entwickelt sich derzeit unter unsicheren Bedingungen. In der jüngeren Vergangenheit stellten der Atomausstieg in Deutschland und die rasante Zunahme der Photovoltaik schwer vorhersehbare und grundlegend marktverändernde Ereignisse dar. In einem Zeitraum von weiteren zehn Jahren werden weitere Entwicklungen entstehen, die nicht nur eine Fortschreibung der bisherigen Entwicklung sind. In dieser Situation bietet die Studie weitere Informationen für Entscheider über erwartete Marktentwicklung.

Weitere Ergebnisse neben den hier erwähnten zeigen für Energieversorger, Verbraucher, Industrie‐ und Gewerbe wichtige Zukunftsentwicklungen in der Struktur des Energiemarkts, bei technischen Lösungen, Energieverbrauch und Energieträgern auf. Selbst wenn nicht alle darin beschriebenen Zukunftsszenarien eintreten, können Entscheider sie nutzen, um ihre Geschäftspläne auf Robustheit und Zukunftsfähigkeit zu überprüfen.

Die Studie basiert auf Einschätzungen und Prospektionen führender Repräsentanten und Entscheider mit Bezug zum Energiemarkt aus den sieben Gruppen Energiewirtschaft, Wissenschaft, Konsumenten und ihren Interessensorganisationen, Wirtschaftsverbänden und Gewerkschaften sowie Politik und Verwaltung.

Die Studie kann unter rottmann@wifa.uni‐leipzig.de sowie unter robert.krock@snpc.de bezogen werden.

Das Kompetenzzentrum Öffentliche Wirtschaft, Infrastruktur und Daseinsvorsorge e.V. ist ein interdisziplinäres Zentrum, das sich im Rahmen einer praxisorientierten Forschung mit Fragestellungen der öffentlichen Wirtschaftsbereiche – auch an der Schnittstelle zur Privatwirtschaft – beschäftigt. Themenschwerpunkte bilden neben den öffentlichen Finanzen vor allem die Bereiche der Daseinsvorsorge (beispielsweise Energie- und Wasserversorgung). Das Zentrum wurde 2009 gegründet und beinhaltet elf Professuren aus Ökonomie, Jurisprudenz, Politikwissenschaft, Infrastruktur, Stadtentwicklung und Pädagogik.

Der bvöd ist im Beirat des Kompetenzzentrums vertreten. Dr. Rottmann ist zudem Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates des bvöd.

Quelle: „Pressemitteilung Energiemarkt 2023: Gefahr sozialer Verwerfungen und mehr Verantwortungsübernahme durch Kommunen“, vom 09.04.2013