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11.11.2013

Zukunft der Nachhaltigkeitsberichterstattung bedeutet Chance und Herausforderung für öffentliche Unternehmen

Bericht zur bvöd-Jahresveranstaltung 2013

Berlin, 11.11.2013. Am 5. November 2013 debattierten rund 90 Gäste und Teilnehmer der diesjährigen Jahresveranstaltung des Bundesverbandes Öffentliche Dienstleistungen (bvöd) im Berliner VKU Forum die Herausforderungen und Chancen einer von der EU-Kommission geplanten verpflichtenden Nachhaltigkeitsberichterstattung für öffentliche und private Unternehmen.

Der bvöd hatte seine Mitglieder und Partner und die interessierte Öffentlichkeit zur Diskussion unter dem Titel „Lust oder Frust? – Nachhaltigkeitsmanagement und -reporting für öffentliche Unternehmen und Dienstleister. Eine Debatte aus Sicht von Wissenschaft und Unternehmen“ eingeladen.

Hans-Joachim Reck (c) bvöd 2013Der Präsident des bvöd, der Hauptgeschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), Hans-Joachim Reck, verwies in seiner Eröffnungsrede darauf, dass öffentliche Unternehmen bereits heute vielfältige Projekte als Zeichen eines nachhaltigen unternehmerischen Handelns vorweisen könnten, was auf freiwilliger Basis geschehe. „Kommunale Unternehmen sind mit den lokalen und regionalen Gegebenheiten vor Ort besonders vertraut. Deshalb erwarten die Bürger und die Politik gerade von unseren Unternehmen verantwortungsvolles Handeln. Dieser Verantwortung stellen sich unsere Unternehmen! Die Beispiele für ein kreatives und innovatives Engagement öffentlicher Unternehmen für soziale, ökologische und ökonomische Ziele sind genauso vielfältig wie branchenspezifisch.“ So nannte Reck das deutschlandweit erste branchenübergreifende Klimaschutzpapier, das der bvöd im Februar 2013 veröffentlicht hatte, welches die Vielfalt der kommunalen und regionalen ökologischen Initiativen seiner Mitgliedsunternehmen und -verbände aus den verschiedenen Sektoren aufzeigte. Zudem konnte der bvöd in den letzten Jahren einige vorbildliche soziale Unternehmensprojekte seiner Mitglieder auf EU-Ebene einbringen.


Prof. Holger Mühlenkamp (c) bvöd 2013

Prof. Dr. Holger Mühlenkamp vom Lehrstuhl für Öffentliche Betriebswirtschaftslehre der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer, begrüßte die Gäste in seiner Funktion als Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates (WBR) des bvöd. Er stellte heraus, dass die Ergebnisse der Onlineumfrage des WBR-Arbeitskreises „Nachhaltigkeit“ vom Juli 2013 als Initiative und Diskussionsgegenstand der diesjährigen bvöd-Jahresveranstaltung eine gelungene Verbindung von Wissenschaft und Praxis darstellten. Mit der Umfrage hatten Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirates des WBR kommunale und regionale öffentliche Unternehmen hinsichtlich der Etablierung und Ausgestaltung ihres Nachhaltigkeitsmanagements und -reportings befragt.


Prof. Dorothea Greiling (c) bvöd 2013

Prof. Dr. Dorothea Greiling vom Institut für Management Accounting der Johannes Kepler Universität Linz und Prof. Dr. Ludwig Theuvsen vom Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung der Georg-August-Universität Göttingen stellten in Ihrem Vortrag Entwicklungsstand und Perspektiven des Nachhaltigkeitsmanagements“  die theoretischen Grundlagen und die Ergebnisse der Befragung vor und zogen erste Schlussfolgerungen. So wurde deutlich, dass in einigen öffentlichen Unternehmen verschie­dene Instrumente der Nachhaltigkeitsberichterstattung bereits genutzt werden, andere daraus ein Nachhaltigkeitsmanagement entwickelt haben. Die meisten Unternehmen sind jedoch erst in der Planungsphase dieser Schritte. Für die öffentlichen Unternehmen ist die Sicherung der Zukunftsfähigkeit das wichtigste Motiv für ein Nachhaltigkeitsmanagement. Der vorläufige Ergebnisbericht ist auf Anfrage bei der bvöd-Geschäftsstelle erhältlich.

Prof. Ludwig Theuvsen (c) bvöd 2013


Prof. Stephan Wernicke (c) bvöd 2013

In seinem Vortrag Regulierung oder selbstgestaltete Verantwortung: Politische Handlungsspielräume zur Förderung von nachhaltigem Wirtschaften von Unternehmen“ ging Prof. Dr. Stephan Wernicke, Chefjustiziar des Deutschen Industrie- und Handelskammertages auf die von der EU-Kommission auf den Weg gebrachte Revision der erst kürzlich überarbeiteten Bilanzrichtlinie ein, die über bestehende Berichtspflichten über Geschäftsverlauf und -ergebnis im Lagebericht hinaus auf nicht-finanzielle Indikatoren ausgeweitet werden soll. Die EU-Kommission plant, dass insbesondere Umwelt- und soziale Indikatoren in den Lagebericht von Unternehmen aufgenommen werden müssen. Von diesen Plänen sind im Wesentlichen Kapitalgesellschaften, darunter evtl. auch Stadtwerke und öffentliche Unternehmen ab einer Größe von 500 Mitarbeitern und einer Bilanzsumme von 20 Mio. Euro oder einen Nettoumsatz von  40 Mio. Euro betroffen. Wernicke sprach sich gegen diese Art der  verpflichtenden Berichterstattung für Unternehmen aus. Er verwies auf die große Anzahl von Unternehmen, die bereits freiwillig von ihrem nachhaltigen Handeln berichteten, und auf die mit einer Pflicht verbundenen personellen und finanziellen Mehrbelastungen. 


Dr. Günther Bachmann (c) bvoed 2013

Dr. Günther Bachmann, Generalsekretär des Rates für Nachhaltige Entwicklung, sprach sich in seinem Vortrag „Bedeutung und Entwicklung des Nachhaltigkeitsmanagements und -reportings“ vor allem für Transparenz aus. In Unternehmen sollte eine einheitliche Berichterstattung etabliert werden. Gerade für öffentliche Unternehmen, die eine hohe Wertschöpfung vorwiesen, bestünde die Chance, die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens strategisch durch ein Nachhaltigkeitsmanagement sicherzustellen. Er stellte den 2012 entwickelten Deutschen Nachhaltigkeitskodex vor, der keine externe Überprüfung verlange und als freiwilliges Instrument geeignet sei, einen Einstieg in die Kommunikation über unternehmerische Nachhaltigkeitsleistungen zu ermöglichen. „Der Kodex schafft Verbindlichkeit in der transparenten Darstellung der unternehmerischen Verantwortung für  eine nachhaltige Entwicklung. Seine Anwendung ist den Unternehmen überlassen, die erklären, ob und inwieweit sie dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex entsprechen“, so Bachmann. Daher habe der Rat der Bundesregierung empfohlen, den Kodex in die Diskussion auf EU-Ebene um die Berichterstattung zu nicht-finanziellen Leistungsindikatoren von Unternehmen und die unternehmerische Verantwortung einzubringen.


Nach einer kurzen Pause, die die Gäste nutzten um über die Statements der Referenten ausführlich zu diskutieren, debattierte eine Podiumsrunde aus Unternehmens- und Verbandsvertretern zum Thema „Das Ende der Freiwilligkeit – Öffentliche Unternehmen zwischen Erwartungs- und Kostendruck beim nachhaltigen Wirtschaften“. Von Prof. Greiling moderiert, diskutierten Dr. Günther Bachmann, Birgit Konopatzki, Leiterin der Unternehmenskommunikation der Energieversorgung Oberhausen AG (EVO), Dirk Polenz, Stabsabteilung Geschäftsentwicklung der Berliner Verkehrsbetriebe A.ö.R. und Sarah Richter, Referatsleiterin für Allgemeines Umweltrecht, Abfallwirtschaft, Immissionsschutz und Urheberrecht vom Deutschen Städte- und Gemeindebund.

Prof. Greiling, Dr. Bachmann, Konopatzki (v.l.)

Bachmann betonte, dass eine Nachhaltigkeitsberichterstattung in vielen Unternehmen noch kein Business Case sei und es gerade kleinen Unternehmen als Einstiegshilfe an Informationen fehle, den Ausarbeitungsprozess anzugehen.

Polenz verdeutlichte, dass sich die Unternehmen der Herausforderung stellen müssen, die wirtschaftliche, soziale und ökologisch nachhaltige Entwicklung als Dreiklang auszuprägen. Dabei können einzelne Nachhaltigkeitsaspekte temporär den Schwerpunkte setzen. Unbestritten basiert erfolgreiches Nachhaltigkeitsmanagement auf solidem wirtschaftlich Erfolg und trägt letztlich ebenso dazu bei. Die BVG habe die Erfahrung gemacht, dass der Aufbau der Berichterstattung die Entwicklung des Nachhaltigkeitsmanagements im Unternehmen gefördert hat. Entscheidend sei der Einbezug der Mitarbeiter in die Debatte gewesen.

Richter und Polenz (v.l.)Konopatzki erläuterte, dass die EVO offen und transparent über ihr soziales Engagement in der Stadt kommuniziere, man jedoch noch keine Berichterstattung pflege. Es sei zunächst wichtig gegenüber den Bürgern und Stakeholdern, ein nachhaltiges Handeln auf Grundlage unternehmenspassender Projekte deutlich zu machen, um die Akzeptanz für das unternehmerische Engagement zu erhöhen und darauf eine Berichterstattung aufbauen zu können.

Richter stellte klar, dass öffentliche Unternehmen einen entscheidenden Beitrag für die Entwicklung der Städte und Gemeinden leisten könnten, indem sie sich auf Grundlage einer Nachhaltigkeitsstrategie aktiv einbrächten und dabei nach Möglichkeit alle drei Säulen einer nachhaltigen Entwicklung berücksichtigen sollten. So seien die Unternehmen gegenüber den Bürgern und der Politik auf transparente Weise in ihrem gesellschaftlichen Engagement präsent. Das könne zugleich die Argumentation zur Legitimation der Erbringung öffentlicher Dienstleistungen stärken.


Begleitdokumente zur Veranstaltung:

Blick ins Besucherplenum

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